Mahnwache Hamburg

Aufruf zum friedlichen Widerstand! Für Frieden! In Europa! Auf der Welt!

Impressionen der 5. Hamburger Mahnwache

Impressionen der 5. Hamburger Mahnwache für den Frieden, gepaart mit freien Gedanken des Menschen Lucya K. aus H.

Gekommen als Fremde – gegangen als Freund

So oder so ähnlich lässt sich mein persönlicher bisheriger Gesamteindruck der Hamburger Mahnwachen in einem Satz zusammenfassen.

Kurz nach 17 Uhr treffe ich am Jungfernstieg ein um beim Aufbau zu helfen und werde herzlich begrüßt von fröhlichen Menschen unterschiedlichster Art, die auf den ersten Blick verwirrend wenig gemeinsam haben und doch sehr vertraut miteinander umgehen. Außenstehende könnten denken, es versammelt sich eine lange zusammengewachsene Gruppe, doch in Wahrheit kennen die meisten von uns einander erst ungefähr vier Wochen. Was von außen scheint wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus jung und alt, schick und alternativ, ausgelassen und still, erweist sich bei näherer Betrachtung als Querschnitt durch die Gesellschaft, zusammengekommen aufgrund einer Vision, die vielen lange schon im Herzen brennt und mit der wir alle uns schon viel zu lange alleine gewähnt haben: FRIEDEN.

Frieden – oder gar Weltfrieden – dieser einerseits simple, andererseits fundamentalste Wunsch – ich wage zu behaupten – eines JEDEN Menschen, hat heutzutage diesen abgedroschenen Beigeschmack von Alt-68ern und langhaarigen Hippies in Flattergewändern die verstrahlt lächelnd mit Blümchen im Haar barfuß durch die Heide laufen. Dieser simple Wunsch scheint so was von weit weg und unerreichbar („Ja klar Frieden, aber wie denn, wenn die da oben keine Ruhe geben…?“) sind wir doch alle entweder direkt, als Kriegs- oder Nachkriegsgeneration oder indirekt durch die Kriegsberichterstattung der Medien schon von klein auf mit Krieg konfrontiert und haben ihn dadurch als Teil unserer Lebenswirklichkeit mehr oder weniger akzeptiert Zumindest schockiert er uns nicht so sehr, wie er es eigentlich sollte. Krieg ist „normal“ – Frieden liegt jenseits der Norm.

Daher eint uns hier auf dem Jungfernstieg nicht nur der Wunsch nach Frieden sondern auch die schon viel zu oft gemachte Erfahrung, von anderen aufgrund dieses so simplen und natürlichen Wunsches als naiv, Träumer, Utopist, weltfremd oder gar als Spinner belächelt worden zu sein.
Aus dieser Erfahrung heraus ist es für mich vollkommen logisch welches Band die hier Anwesenden nach so kurzer Zeit so eng zusammengeschweißt hat:
Das Gefühl: ENDLICH (UN)NORMALE MENSCHEN!

Während ich hier helfe eine Flagge aufzuhängen und da ein paar Seifenblasen in die Luft puste, füllt sich der Platz langsam aber sicher mit vielen einzelnen Menschen zwischen 8 und 80. Meine Angst, die mich seit der ersten Mahnwache begleitet, dass niemandem der Frieden so wichtig ist sich dafür einen ruhigen Fernsehabend entgehen zu lassen, erweist sich auch dieses mal zum Glück als unbegründet.

Als die Eröffnungsrede beginnt stelle ich sogar mit Freude fest, dass die Zahl derer, die unserem Aufruf gefolgt sind noch gewachsen ist. Ich verteile zusammen mit anderen rote kleine Kärtchen in der Menge. Für den Fall, dass jemand das Angebot des offenen Mikrofons für Hass- oder Hetzreden missbraucht, kann man dem Redner so sprichwörtlich die rote Karte zeigen.

Zum Glück wird dieses Signal heute nicht gebraucht.

Ausnahmslos alle Redner – ob ich nun mit dem von ihnen gesagten konform gehe oder nicht – halten sich zumindest an unser Mahnwachenmotto: Ein wenig Höflichkeit und Freundlichkeit kosten nichts.
In der folgenden Pause werde ich schier überhäuft von Menschen, die sich von meiner Einladung angesprochen fühlten, mir ihre E Mail Adressen zu geben, wenn sie sich gerne an der Organisation der Mahnwache beteiligen möchten.

Es entsteht für mich der Eindruck, dass viele nur darauf gewartet haben, dass dieser Stein endlich ins Rollen kommt, dass viele es Leid sind allein gegen Windmühlen zu kämpfen, dass viele es Leid sind ihre Meinung hinter verschlossenen Türen kundtun zu müssen, weil sie nicht der vom Mainstream gemachten Meinung entspricht. Dieser Eindruck zieht sich auf die ein oder andere Weise durch alle Beiträge. Die Menschen sind froh, endlich öffentlich aussprechen zu können was sie beschäftigt, was ihnen Angst macht, was sie sich wünschen und damit nicht allein zu sein – sogar Applaus dafür zu bekommen, weil sie vielen anderen aus der Seele sprechen.
Auch ich traue mich zum ersten Mal ans offene Mikrofon – trotz Sprechangst und negativen Erfahrungen mit dem Äußern meiner Meinung – und siehe da, ich lebe noch und kann daher diesen Artikel für euch schreiben, der euch eventuell auch Mut macht eure Angst zu überwinden, so wie eine Freundin, die öffentlich zu ihrer Angst stand, mir Mut machte meine Angst zu überwinden.

Mir ist voller Freude aufgefallen, dass die Zahl derer, die den positiven Spirit, das DAFÜR statt das Dagegen, das Verbinden statt das Trennen und die Eigenverantwortung statt des anprangerns von Bänkern und Politikern in ihren Beiträgen betonen, gestiegen ist.

Was mein Herz jedoch am meisten gefreut hat ist, hier und da mitzubekommen wie fremde Menschen in den Pausen beginnen miteinander zu reden. Diese simple Tatsache ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit in einer Stadt in der viele Wand an Wand mit Menschen leben mit denen sie noch nie ein Wort gewechselt haben und in der die Einsamkeit trotz so vieler Menschen so groß geworden ist, dass sie Tausende in die Isolationsdepression oder den Suizid getrieben hat.

Genau das ist es, was wir als Kollektiv jetzt lernen dürfen:

UNITED WE STAND – DIVIDED WE FALL (Zusammen stehen wir – getrennt fallen wir)

Trotz unterschiedlicher Meinungen in einen respektvollen Dialog treten, solange man sich auf die Grundwerte, wie z.B. Respekt allem Lebendigen gegenüber, einigt. Die Lösungen für die neue Welt, die wir erschaffen wollen, sind so vielfältig wie es die Menschen sind.

Der Abend neigt sich dem Ende zu – es ist noch hell – die letzte offene Mikrofonrunde widmen sich mit jeweils einem Satz den individuellen Wünschen der einzelnen Menschen unserer bunten Gruppe. Jeder beginnt seinen Satz mit „Ich wünsche mir eine Welt, in der….“
Ich lasse die Wünsche in Stille auf mich wirken und äußere auch meinen Wunsch. Das zweite Mal öffentlich sprechen ist schon viel weniger schlimm.

Mit einem Riesenapplaus und Genesungswünschen in Richtung Henrik, der den Mahnwachenstein in Hamburg ins Rollen brachte, endet die heutige Versammlung.

Noch ein paar Menschen geben mir ihre E Mail Adressen – mittlerweile füllen sie mehr als eine ganze Din-A-4 Seite – ich verabschiede mich von neuen neuen und alten neuen Freunden, puste noch ein paar Seifenblasen in den Abendhimmel und mache mich mit meinem Liebsten auf den Heimweg.

Die Vision des Friedens werde ich tatkräftig und mit mehr Zuversicht im Herzen und in die gerade begonnene Woche tragen bis es am 5. Mai wieder heißt: FRIEDEN. ENDLICH MONTAG

3 Kommentare

  1. Sehr toll das es eine Mahnwache in Hamburg gibt ich werde Montag dabei sein! Und danke das du dir die Zeit nimmst und so einen tollen Bericht über die „Demo“ schreibst, mach weiter so!
    Liebe Grüße Lennart

    • Hallo Lennart,

      schön, dass du auch an der Mahnwache teilnehmen möchtest. Wir sehen uns hoffentlich am Montag.

    • Danke für die Blumen 🙂 und wie fandest du es gestern live dabei zu sein? Liebe Grüße Lucya K. aus H. 🙂

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