Mahnwache Hamburg

Aufruf zum friedlichen Widerstand! Für Frieden! In Europa! Auf der Welt!

Offene Rede von Gunda

Auf der 3. Hamburger Mahnwache am 14.04.2014  hielt Gunda eine offene Rede über die Medienresonanz und die einseitige Auseinandersetzung mit den Deutschlandweiten Friedensdemonstrationen.

Gunda - Verfasserin der Rede

Ich habe in der letzten Woche sehr viele ausgesprochen negative, mitunter sogar ausgesprochen diffamierende Artikel und Beiträge zu den Montags-Mahnwachen im Internet verfolgt. Immer wieder wird die Kritik zu den Mahnwachen an einzelnen Personen festgemacht.

Es wird diesen Personen Antisemitismus unterstellt. Es ist die Rede von Verschwörungstheoretikern. Es ist die Rede von Führungspersönlichkeiten, die den Wunsch der Menschen nach Frieden instrumentalisieren, um ihre Weltsicht in einer breiten Öffentlichkeit kommunizieren zu können.

Es tauchen Facebook-Profile auf, wie Friedensdemo-Watch, ins Leben gerufen am 07.04.2014, auf denen Auszüge von den verschieden Veranstaltungsseiten veröffentlicht werden und auf abwertende Art und Weise diskutiert werden.

Konstantin Wecker warnt in einem Post auf Facebook, vom 13.04., vor einer Unterwanderung der Friedensbewegung von Rechts-Aussen. Selbst die Kooperation für Frieden, ein Dachverband der deutschen Friedensbewegung spricht von einer „Ominösen Friedensbewegung 2014“ sucht in den Internetauftritten besagter Einzelpersonen nach Hinweisen für deren politischen Hintergrund und beschließt ihre Pressemitteilung vom 10.04.2014 mit den hoch emotionalen Worten „Sage keiner, er habe es nicht gewusst!“

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Ich habe die letzten beiden Mahnwachen in Hamburg besucht, habe aufmerksam zugehört, mich hier mit unterschiedlichen Menschen in den Pausen ausgetauscht und bin mit einem mehr als positiven Eindruck in meinen Alltag zurück gekehrt. Ich hatte das gute Gefühl, hier bewegt sich endlich etwas. Wie soll ich aber diese massive Kritik nun einordnen? Habe ich mich derart irren können auf beiden Hamburger Veranstaltungen? Warum ist es einigen Leuten so wichtig, die Montagsdemos zu ersticken?

Warum wird in den sogenannten Mainstream-Medien mit keinem Wort über die Montagsmahnwachen berichtet? (Falls ich hier eine Meldung einfach übersehen habe und es doch eine Berichterstattung gab, bitte ich um Berichtigung meiner Worte!) Ich habe gestern lange über diese Problematik nachgedacht und mich auch mit einigen Menschen aus meinem Umfeld darüber unterhalten, um meine Gedanken sortieren zu können.

Meine subjektive Vermutung ist, dass es den meisten Menschen schwer fällt, zu akzeptieren, dass eine politische Bewegung, und darum handelt es sich bei den Mahnwachen, nicht eindeutig einer inneren Links- oder Rechtsorientierung zu zuordnen ist. Die Tatsache, dass hier möglichst vielen Menschen eine Plattform zur Information, Meinungsbildung, Austausch und Meinungsbekundung geboten wird, scheint wohl vielen Menschen suspekt und gefährlich.

1941337_777381842295706_3337689805648919207_o KopieIch konnte hier in Hamburg keinerlei Äußerungen hören, die Antisemitismus beinhaltet hätten oder gar vermuten lassen, es handele sich bei den Organisatoren um Verschwörungstheoretiker.

Allerdings sehe ich hinter all diesen Äußerungen auch eine Sorge, die man nicht übersehen sollte und vor allem sehr ernst nehmen sollte. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass es natürlich auch von Seiten extremer Menschen durchaus Überschneidungen mit unseren Themen geben kann. Auch mir macht dieser Gedanke Sorgen. Aber aus Angst vor solchen Themen und Menschen, in unseren Bemühungen für den Frieden nachlassen? Nein! Sofern wir schlicht ein wachsames Auge entwickeln und jede missverständliche Wortmeldung auch zur Diskussion stellen, besteht dafür kein Anlass. Es geht darum jeden Menschen, der für Frieden ist, auf die Straße zu bringen. Auch wenn er nicht in allen Punkten mit der persönlichen Meinung übereinstimmt, ist es wichtig mit so vielen Menschen wie möglich ins Gespräch zu kommen!

Aber ich sehe auch, dass hier den Missverständnissen durchaus eine Tür geöffnet wurde und jeder Einzelne aufgefordert ist, auch hier auf den Mahnwachen, mit den Aussagen kritisch umzugehen und sensibilisiert zu bleiben. Wenn wir in einen offenen Austausch auf Augenhöhe gehen, dann haben Kritik und Diffamierung auf Dauer keinen destruktiven Einfluss auf die Mahnwachen.

Ich persönlich fühle mich der Menschlichkeit und einem echten solidarischen Gedanken innerhalb der Gesellschaft verpflichtet. Ich stehe hier für den Erhalt des Friedens und für eine gerechtere Welt. Einer Welt, mit so wenig Grenzen wie möglich. Ich stehe hier für eine gegenseitige Akzeptanz zwischen den Menschen und den Völkern. Toleranz allein scheint mir zu wenig. Nur Akzeptanz bedeutet ein Miteinander auf Augenhöhe. Ich stehe hier für eine gelebte Demokratie und für eine freie und unabhängige Meinungsbildung und Presse.

Meine Bitte an alle hier ist ganz klar: Redet miteinander, auch wenn ihr unterschiedlicher Ansicht seid. Es geht nicht darum Hier und Heute in allen Bereichen einen Konsens zu finden. Es geht für mich vor allem darum, alte Grenzen und Vorurteile aufzubrechen und endlich wieder in eine echte Kommunikation zu kommen. Für ein gemeinsames Ziel! Für Frieden in Europa und Weltweit!

Und sofern es keinen Anlass gibt, den Kritiken doch Glauben schenken zu müssen, stehe ich auch an den folgenden Montagen hier und hoffe darauf, dass es mehr Menschen werden, denen der Frieden wichtig genug ist, ihre persönliche Komfortzone zu verlassen und sich hier in den offenen Austausch zu begeben.

1 Kommentar

  1. Liebe Gunda,
    Deine Rede habe ich eben gelesen und möchte Dir sagen, wenn alle in der Bewegung in diesem Geiste denken und handeln wie Du, werden die „guten Kräfte“ und der Frieden siegen. Es geht offenbar auch innerhalb der Friedensbewegung um Frieden untereinander. Um Offenheit und Toleranz, jeden nehmen wie er ist, aber eben auch um Abgrenzung gegenüber destruktiven Kräften, die alles andere als Frieden im Herzen tragen. „Wie innen so Außen“ möchte ich sagen. Wobei ich mich jetzt frage, ob ich wegen diesem Satz jetzt vielleicht in die esoterische Ecke gestellt werden könnte? Und somit in die rechte Ecke? Die sogenannte Eso-Szene wird ja auch von den Rechten, den Verschwörungstheoretikern und Antisemiten unterwandert, wie man liest. In meinem Umfeld ist glücklicherweie noch keiner aufgetaucht. Dennoch wird mir als Heilpraktikerin ganz schlecht, wenn die rechte Szene auch mit ganzheitlichen und naturheilkundlichen Verfahren in Verbindung gebracht wird….
    Ich freue mich jedenfalls, Dich am 12.05 auf der Demo gegen „Pflege am Boden“ kennengelernt zu haben, die unmittelbar vor der Friedensmahnwache stattfand am Junfernstieg.
    Renate

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