Kaum ist die Berliner Friedenswinter-Demonstration vorüber, erläutert der Journalist Christian Bonmarius, warum die Teilnehmer der Demonstration samt und sonders fragwürdige, gefährliche und auf jeden Fall „seltsame Figuren“ sind. Das Wort Mensch haben wir offenbar nicht einmal verdient. Mein Kommentar dazu wurde von der Berliner Zeitung zensiert. Und das, obwohl doch gerade Christian Bonmarius kürzlich erst zufrieden festgestellt hat, dass die Meinungsfreiheit in unserer „Republik“ keinesfalls bedroht ist.

Hier ist mein Kommentar, den die BZ zensiert hat:

Ich finde diesen Artikel höchst unverantwortlich. Die Tausende von Menschen, die heute in Berlin, Hamburg, Heidelberg und anderen Städten und gestern in München für den Frieden auf die Straße gingen, sind Menschen, die vor allem die Verantwortung für eine friedliche Politik einmahnen, die zu Recht besorgt sind, wenn unsere Regierung Truppen in die Ukraine schickt und einer Regierung beistehen will, die einen Teil ihrer Bevölkerung bombardiert, und mit wirtschaftlichen Blockaden und dem Vorenthalten von Sozialleistungen ins Elend treibt. Man fragt sich doch, welche Motive treiben unsere Medien dazu, eine Friedensbewegung mit derartigen fadenscheinigen und unbegründeten Vorwürfen zu diffamieren. Vergessen wir nicht, auch die „Weiße Rose“ wurde einst zum Staatsfeind erklärt. Solche Artikel sind der beste Beweis dafür, dass in unserem Lande etwas ganz gründlich schief läuft. Wenn eine Friedensbewegung beschimpft wird, dann gibt es nur einen Grund dafür. Der Kriegskurs soll verteidigt werden.

Nachtrag: Nachdem ich dem Moderator den Link zu diesem Beitrag geschickt habe, sind auch die bisherigen Kommentare aus der Diskussion verschwunden. Das ist ja wirklich ein konsequenter Schritt Richtung Meinungsfreiheit. Jetzt steht dort nur noch: Starten Sie die Diskussion. Man darf gespannt sein.

Nachtrag 2: Ah, die bisherigen Kommentare sind wieder drin. Na, immerhin.

Nachtrag 3: Ich wurde gerade darauf hingewiesen, dass der Kommentar der BZ sogar VOR der Demo geschrieben und veröffentlicht wurde. Das macht die Sache ja noch schlimmer. Ein Journalist verbreitet ein Urteil über eine Versammlung von Menschen, die noch gar nicht stattgefunden hat. Das ist doch nun wirklich aktiv ausgeübte öffentliche Diffamierung und hat mit Meinungsfreiheit soviel zu tun wie Gefängnis mit Freiheit.

Autor: Katrin McClean