von Katrin McClean

Um eins vorab klar zu stellen: Ich finde jeden Einsatz für Flüchtlinge in Deutschland richtig, mehr noch: Ich würde fordern, jeder einzelne Flüchtling, der es überhaupt nach Deutschland geschafft hat, sollte für diese übermenschliche Leistung mit einem uneingeschränkten lebenslangen Bleiberecht belohnt werden.
Entsprechende Demonstrationen, wie sie letzten Samstag in Hamburg abgehalten wurden, halte ich für dringend notwendig.

Wenn man sich mit der Realität der heutigen Flüchtlingsströme beschäftigt, wird einem jedoch schnell klar, dass solche Demonstrationen nur der Tropfen auf den heißen Stein sind.

Eine Statistik von „Arte“ holt jeden, der über die „Flüchtlingsproblematik“ in Deutschland diskutieren will, ziemlich hart auf den Boden der Tatsachen zurück.

Danach kommen derzeit die meisten Flüchtlinge aus Afghanistan. (2013 ca. 2,6 Mio.!!!) Der jahrelange Krieg der NATO-Länder gegen die Taliban hat nichts weiter gebracht als noch mehr Terrorismus und ziviles Elend.
Müssten dann nicht NATO-Länder wie Deutschland, Frankreich und England entsprechend verantwortungsvoll als Gastländer für Flüchtlinge zur Verfügung stehen? In unseren Medien hat man ja manchmal sogar das Gefühl, es wäre so. Die Aufnahme von Flüchtlingen sei dramatisch gestiegen!

Doch im internationalen Verhältnis gesehen ist das pure Augenwischerei.

Die bedeutendsten Einwanderungsländer für die drei Top-Krisenherde Afghanistan, Syrien und Somalia sind der Iran, Pakistan und der Libanon.
Allein Pakistan hat 2013 1,6 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen. Gastland Nummer zwei ist der Iran für afghanische Flüchtlinge. Im Libanon ist jeder vierte (!) Einwohner derzeit ein Flüchtling, die meisten davon Palästinenser, die in Camps untergebracht sind.

Auch wenn Deutschland ein paar Tausend Flüchtlinge mehr aufnimmt als im Jahr zuvor. Mit einer derzeitigen Aufnahme von ca. 187.000 Flüchtlingen ist Deutschland ein so unbedeutendes Gastland, dass man nur hoffen kann, dass die Welt nicht allzu viel von dieser lächerlichen „Flüchtlingsdebatte“ mitbekommt.

86 % aller Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kommen in sogenannten Entwicklungsländern unter.
Die Allerärmsten der Armen finden bei den Ärmsten der Armen Zuflucht, und das oft zu unwürdigen Bedingungen.

Kurz gesagt, die NATO-Länder heizen die Krisen an, um ihre Ressourcenkriege zu führen, doch um das angerichtete menschliche Elend sollen sich gefälligst die armen Nachbarn kümmern.

Und damit das so bleibt, werden auch Milliarden europäischer Steuergelder in die Unterhaltung der europäischen Mauern investiert. Mauern, an denen Flüchtlinge kriminalisiert und getötet werden, deren Bau und Unterhaltung europäischen Konzernen aber Millionen an Profiten bringt.

Das ist die Realität eines praktizierten Fremdenhasses, wie er täglich von den NATO-Ländern ausgeübt wird – auch von Deutschland. Eine Flüchtlingsdebatte, die diese Tatsachen nicht mit einbezieht, vernachlässigt den Kern des Problems und wirkt scheinheilig.